Basic Income Grant

Zwölf Jahre nach der Unabhängigkeit Namibias stand die Regierung vor der Tatsache, dass die Spanne zwischen Arm und Reich in Namibia immer weiter auseinander klaffte. Der GNI-Koeffizient Namibias, der genau diese Spanne berechnet, war und ist nach wie vor einer der höchsten der Welt. In 2002 beauftragte die namibische Regierung eine Steuerkommission (NAMTAX), ein Konzept zu entwickeln, um die Armut zu bekämpfen und mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Die Kommission stellte heraus, dass hohe soziale Ungleichheit das Wirtschaftswachstum nachhaltig negativ beeinflusste, und schlugen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens vor von 100 namibischen Dollar vor - damals ca. 11 Euro.

Frieda Nembwaya hat heute eine kleine Bäckerei mit zwei Öfen.

Dieser Vorschlag schien zu revolutionär und verschwand in den Schubladen der Ministerien. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik von Namibia (ELCRN), eine unserer Partnerkirchen, nahm den Vorschlag auf und startete mit der Lobbyarbeit. Daraus entstand später eine BIG-Koalition, zu der Kirchen, Gewerkschaftsverbände und NGOs gehören. Nach einer Zeit der politischen Gespräche wurde entschieden, ein Pilotprojekt zu starten (2008-2009). Es sollte zeigen, welche positiven Folgen die Auszahlung eines Grundeinkommens für die Menschen eines Dorfes haben kann. Damit sollte die Regierung überzeugt werden, ein von Steuern finanziertes bedingungsloses Grundeinkommen flächendeckend für alle ca. 1,8 Millionen Menschen in Namibia einzuführen.

Namibisches Dorf im Medien-Fokus

Otjivero-Omitara heißt das Dorf, in dem der Basic Income Grant (BIG) ausgezahlt wurde - eines der weltweit ersten Pilotprojekte - viel beachtet in Medien wie dem Spiegel und Öko-Test und besucht von unterschiedlichsten Delegationen bis hin zur UN-Sonderberichterstatterin Magdalena Sepúveda.

Menschen gründen kleine Unternehmen

Die Ergebnisse des Pilotprojektes waren überzeugend. Viele Menschen sind wirtschaftlich aktiv geworden - Vom Brotbacken (siehe Foto oben von Frieda Nembwaya), über kleine Läden, die Herstellung von Ziegel, einer Blumenzucht bis hin zu einem Take away mit Fish&Chips reichen die Unternehmungen. Kinder sind nicht mehr mangelernährt und das kleine Schulgeld kann auch wieder gezahlt werden.

Die epd-Dokumentation Nr. 36 "Basic Income Grant - Grundeinkommen in Namibia. Eine Herausforderung für Europa." ist leider nicht mehr in Papierform erhältlich.