Ungarn

1956 zerschossene Aussenmauer am Parlamentsgebäude

Ungarn ist mit seinen über 10 Millionen Einwohnern im Westen v.a. wegen des ersten Aufstandes gegen den Warschauer Pakt und die sowjetischen Soldaten im Jahre 1956 bekannt. Dieser erste Versuch eine Reform der Gesellschaft und Regierung und Unabhängigkeit von Moskau zu erreichen wurde nach ein paar Wochen blutig durch sowjetische Panzer niedergeschlagen. Der reformkommunistische Ministerpräsident Imre Nagi wurde ermordet. Seit 2004 ist Ungarn Mitglied in der Europäischen Union und war für viele Jahre eines der osteuropäischen Länder mit dem höchsten Wirtschaftswachstum. Nach etwa 40 Jahren kommunistischer Herrschaft kam Ungarn 1989 in die internationalen Schlagzeilen als im Rahmen eines "paneuropäischen Picknicks" in der Grenzstadt Sopron viele DDR-Bürger die Grenze nach Österreich überwanden und so nach Westeuropa emigrieren konnten. Im Unterschied zu anderen osteuropäischen Ländern verfolgte die kommunistische Partei Ungarns am Ende der 80er Jahre einen Reformkurs. Heute steckt das Land in einer wirtschaftlichen und politischen Krise. Für 2010 sind Neuwahlen zum Parlament angesetzt.

 

Die Partnerkirchen der EKvW

Auf Grund der von den Habsburgern geprägten Vergangenheit ist Ungarn mehrheitlich katholisch. Über 15% der Bevölkerung gehören aber zur reformierten Kirche und etwa 3% gehören der lutherischen Kirche Ungarns an. Die Partnerschaft der Ev. Kirche von Westfalen besteht sowohl zu der reformierten Kirche Ungarns als auch zur lutherischen Kirche Ungarns. Beide Partnerkirchen haben ihre Verwaltung in der Hauptstadt Budapest.

 

Die reformierte Kirche Ungarns

Budapest - Blick aufs Parlament

Die reformierte Kirche Ungarns (RKU) zählt etwa 1,5 Millionen Mitglieder und unterteilt sich in 4 Kirchendistrikte. Debrecen - Universitätsstadt im Südosten Ungarns wurde für eine lange Zeit auch als Hauptstadt der Reformierten in Ungarn bezeichnet. Die Reformierte Kirche in Ungarn hat ca. 1.200 Gemeinden gegliedert in 27 Seniorate. Die vier Kirchendistrikte sind: Kirchendistrikt Diesseits der Theiß mit Sitz in Miskolc, der Kirchendistrikt Jenseits der Theiß mit Sitz in Debrecen, der Kirchendistrikt an der Donau mit Sitz in Budapest und der transdanubische Kirchendistrikt mit Sitz in Veszprém. Den Kirchendistrikten steht jeweils ein Bischof vor.

In mehreren anderen Ländern bestehen ungarischsprachige reformierte Kirchen, die im Weltbund der ungarischen Reformierten und neuerdings seit 2009 in einer eigenen, gemeinsamen Synode der ungarischen Reformierten mit der Reformierten Kirche in Ungarn verbunden sind.

Die Evangelische Kirche im Rheinland und die Reformierte Kirche in Ungarn haben im November 2009 einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Wörtlich heißt es im Partnerschaftsvertrag: „Beide Kirchen erklären ihren ausdrücklichen Willen, eine Partnerschaft zu begründen, sie auszugestalten und das gemeinsame Handeln für die Zukunft  zu stärken. Sie verstehen diese Partnerschaft als einen sichtbaren Schritt auf dem Weg des Miteinanders der Kirchen in Europa innerhalb der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und zur Stärkung der reformierten Traditionen in Europa. Um den zukünftigen gemeinsamen Weg beider Kirchen zu gestalten, verpflichten sich die Reformierte Kirche in Ungarn und die Evangelische Kirche im Rheinland zu einer engeren Zusammenarbeit im gemeinsamen Zeugnis und Dienst.“ Nach dem Vertrag sollen Gemeinde- und Kirchenkreispartnerschaften gefördert werden. Angedacht sind zudem gemeinsame Projekte und Programme in der Aus- und Fortbildung sowie in der Jugendarbeit.

 

Die ev.-lutherische Kirche Ungarns

Luther eingeparkt im Hof des LKA der ELKU

„Wir erscheinen, aber wir werben nicht für uns selbst“ so lautet das Motto der Ev.-Lutherischen Kirche Ungarns (ELKU). Sie ist eine Gemeinschaft von etwa 300 lutherischen Gemeinden mit ca. 300 Pfarrerinnen und Pfarrern. Drei Bischöfe leiten die Arbeit der mit ca. 300.000 Mitgliedern kleinen lutherischen Kirche in Ungarn. Die Kirche ist unterteilt in drei Kirchenbezirke:  Buda , Pest und Györ. Das administrative Zentrum der Kirche in Budapest, Ülöi út 24 ist ein Dienstleistungszentrum, das die Arbeit der Gemeinden und der kirchlichen Institutionen fördert. Neben den Abteilungen für Schulung, Wirtschaft, Baufragen, Rechtsfragen und Jugendarbeit, gibt es eine Krankenhausseelsorge und das Gefängnispastorat, sowie andere missionarische Dienstzweige und die Universitätsgemeinde.

Die Ev.-Lutherische Kirche in Ungarn unterhält 37 Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen) mit etwa 7.000 Schülern und ca. 1.000 Pädagogen. In Altersheimen bekommen mehrere Hundert alte Menschen ein zu Hause. Die Ev.-Lutherische Kirche betreut auch behinderte Kinder und unterhält ein Obdachlosenheim in Nyíregyháza, sowie ein Rehabilitationszentrum für Alkoholiker in Györköny. Weitere diakonische Einrichtungen sind das in Piliscsaba tätige Sozialbeschäftigungshaus und der in Kiskõrös und Szarvas tätige Hauspflegedienst.

Die Ev.-Lutherische Kirche in Ungarn unterhält verschiedene Erholungsheime z. B. in Balatonszárszó am Plattensee und in  Gyenesdiás und Sopron. Darüber hinaus gibt es  lutherische Konferenzzentren - z. B. in Révfülöp und in Piliscsaba.

Die Ev.-Lutherische Kirche in Ungarn betriebt eine eigene lutherische theologische Universität wo sowohl Pfarrer und Pfarrerinnen als auch Religionslehrer und Religionslehrerinnen ausgebildet werden.

Neben der EKvW ist eine weitere, wichtige Partnerkirche in Deutschland die Ev.-Lutherische Kirche in Bayern.

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu den Partnerschaften mit den ungarischen Kirchen bei Thomas Krieger, Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der EKvW, Olpe 35, 44135 Dortmund, Telefon 0231-540977 oder per E-Mail thomas.krieger@moewe-westfalen.de

 

Ansprechnpartner für Ungarn ist Thomas Krieger

0231-5409-77

thomas.krieger@moewe-westfalen.de