Die Ursprünge der westfälischen Kirchen-Partnerschaften nach Afrika gehen zurück auf die Aktivitäten der Rheinischen und der Bethelmission im 19. und 20. Jahrhundert. Daraus sind vielfältige Beziehungen zu  den heutigen Ländern Kamerun, DR Kongo, Namibia, Botswana, Ruanda und Tansania entstanden. Heute werden diese Partnerschaften in Zusammenarbeit mit der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) gestaltet. Sie ist eine Gemeinschaft von 35 Kirchen in drei Kontinenten und den von Bodelschwinghschen Stiftungen. Die Evangelische Kirche von Westfalen ist eine der deutschen Mitgliedskirchen der VEM.

Demokratische Republik Kongo

Mit mehr als 2,3 Millionen Quadratkilometern ist die Demokratische Republik (DR) Kongo der zweitgrößte Staat Afrikas und damit so groß wie ganz Westeuropa von Schottland bis Sizilien. Entsprechend der enormen Ausdehnung beheimatet das Land mehr als 200 verschiedene Ethnien mit eigenen Sprachen und Traditionen, aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte aber nur etwa 81 Millionen Einwohner. Das Bevölkerungswachstum zählt mit fast drei Prozent zu den höchsten der Welt, aufgrund mangelhafter Gesundheitsversorgung ist allerdings die Kindersterblichkeit mit 77 Todesfällen bei 1.000 Geburten erschreckend hoch (Deutschland: 3,5/1.000) und die Lebenserwartung mit 55 Jahren sehr niedrig. + weiterlesen

Politische Unruhen führten in den vergangenen Jahren zu einer bis heute anhaltenden Landflucht, sodass der Großraum der Hauptstadt Kinshasa mittlerweile rund zwölf Millionen Einwohner zählt.

Leben auf dem Kongo.

Der 4.300 km lange Kongofluss und das von ihm umschlossene Kongobecken mit rund 60 Prozent der Landfläche haben dem Land seinen Namen gegeben, das von dem kleineren Nachbarstaat Republik Kongo (Kongo-Brazzaville) zu unterscheiden ist. Die geographische Lage am Äquator bewirkt ein sehr warmes, tropisches Feuchtklima, das zu einer vielfältigen fruchtbaren Vegetation führt und den Anbau von Ananas, Bananen, Kaffee, Kakao, Papaya und Reis ermöglicht. Die von illegaler Rodung und Wilderei gefährdeten Regenwälder des Kongobeckens beheimaten über 10.000 Pflanzenarten, darunter auch die für den Export begehrten Hölzer Kambala, Kautschuk und Wengé, mehr als 400 Säugetierarten, unter ihnen die von Ausrottung bedrohten Menschenaffen Bonobos und Gorillas sowie mehr als 1.000 Vogelarten. Überdies zählt die DR Kongo zu den rohstoffreichsten Ländern der Erde mit beachtlichen Vorkommen an Coltan, Diamanten, Gold, Kupfer, Wolfram, Zinn sowie Erdöl und Erdgas.

Doch im scharfen Kontrast zu dieser Fülle ist der Kongo eines der ärmsten Länder der Welt (Paradox of Plenty). Im Human Development Index (HDI) der UNO rangiert es auf einem der unteren Plätze und wird zu den sog. Fragilen Staaten gezählt. Für einen Großteil der Menschen im Kongo bedeutet dies ein ungeschütztes Leben in strohgedeckten Lehmhäusern ohne Strom- und Wasserversorgung, ohne medizinische Hilfe und soziale Absicherung bei Behinderung, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter, oftmals ohne Chance auf Schul- und Berufsausbildung – und viel zu oft ein leerer Magen: Hunger und Mangelernährung mit gesundheitlichen Schäden für Neugeborene und Kinder. Gründe für diesen erschreckenden Entwicklungsstand sind sowohl jahrzehntelange Ausbeutung und wirtschaftliche Plünderung durch die belgische Kolonialmacht als auch politische Wirren und Bürgerkriege mit Sezessionsbestrebungen zu Beginn der Unabhängigkeit, vor allem aber jahrelange Korruption und schlechte politische Führung sowie mehrere ethnisch wie ökonomisch motivierte Kriege in den 1990er Jahren.

Aktuell (Stand Juni 2018) ist die Situation im Kongo durch die zunehmende Auflösung der staatlichen Ordnung, eine erschreckende Eskalation der Gewalt und die eklatante Zunahme an Menschenrechtsverletzungen gekennzeichnet. Diese sind vor allem in der Weigerung von Staatspräsident Joseph Kabila begründet, nach Ablauf von zwei regulären Amtsperioden zurückzutreten. Seit Dezember 2016 wurden die notwendigen Präsidentschaftswahlen unter fadenscheinigen Gründen verschoben. Nach dem Aufruf der Katholischen Kirche im Dezember 2017 zu friedlichen Protesten gegen die Regierung haben Sicherheitskräfte Gottesdienste massiv gestört und friedliche Demonstrationen von christlichen und muslimischen Gemeinden brutal aufgelöst, etliche Menschen getötet, verletzt und unrechtmäßig verhaftet. Im Februar 2018 hat sich auch die Leitung der Evangelischen Kirche im Kongo mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt und fordert ein Ende der Gewalttätigkeiten wie die Durchführung verfassungsgemäßer Wahlen. Nähere Informationen auch auf der Homepage des Auswärtigen Amtes.

Religionen und Kirchen in der DR Kongo
Die DR Kongo ist ein überwiegend christlich geprägtes Land. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes gehören etwa die Hälfte der Bevölkerung der Katholischen Kirche an und 20 Prozent den unterschiedlichen protestantischen Kirchen. Rund zehn Prozent zählen sich zu den sogenannten Kimbanguisten, einer auf den Prediger und Heiler Kimbangu zurückgehenden freien afrikanischen Kirche. Die letzten Prozent teilen sich der Islam und traditionelle animistische Religionen. Die nach wie vor starke Verbreitung des katholischen Glaubens geht auf die ehemals enge Verbindung des Kongo mit Portugal zurück sowie auf katholische Missionsbewegungen im 19. Jahrhundert.

1878 kamen die ersten protestantischen Missionare aus Europa und Nordamerika in den Kongo. Sie brachten der Bevölkerung den evangelischen Glauben nahe und gründeten erste Gemeinden. In der Ära des Kongo-Freistaates informierten einige von ihnen die Öffentlichkeit in Europa über die brutale Misshandlung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung durch die belgische Kolonialmacht, was zu einem Aufschrei der Empörung und dem Ende des Freistaates führte. Im Unterschied zur katholischen Kirche, die enger mit dem Staat verbunden war, erhielten die protestantischen Gemeinden erst nach dem Zweiten Weltkrieg staatliche Unterstützung für die von ihnen betriebenen Krankenhäuser und Schulen.

Die Evangelische Kirche von Westfalen ist über die Vereinte Evangelische Mission mit vier protestantischen Partnerkirchen in der DR Kongo verbunden.

Église du Christ aus Congo (ECC) – Evangelische Kirche im Kongo
Die Église du Christ au Congo oder Evangelische Kirche Christi im Kongo ist sowohl ein Bündnis der evangelischen Kirchen im Kongo als auch eine eigenständige Kirche mit rd. 56.000 Mitgliedern. Als Dachverband vertritt sie rund 70 unterschiedliche Einzelkirchen mit etwa 16 Millionen Mitgliedern, deren konfessionelles Spektrum von anglikanisch über lutherisch und reformiert bis zu methodistisch und presbyterianisch reicht und auch Baptisten-, Brüder-, Mennoniten- und Pfingstkirchen umfasst. Leider hat die ECC in der Vergangenheit aufgrund mangelnder Distanz zur Regierung nur wenig zur politischen Befriedung des Landes beitragen können. Glücklicherweise hat die ECC seit August 2017 mit dem Generalsekretär der Baptistenkirche Dr. André Bokundoa einen neuen, von Staat und Regierung unabhängigen Kirchenpräsidenten gewählt.

Communauté Association des Églises Évangéliques de la Lulonga (CADELU) – Evangelische Kirche am Lulonga
Die CADELU geht auf die Arbeit der englischen „Regions beyond Missionary Union“ am Lulongafluss zurück und wurde 1887 als „Congo-Balolo-Mission (CBM)“ gegründet. Neben Gottesdienst und Evangelisation betätigt sich die CBM auch im sozialen Bereich u.a. durch den Bau von Krankenhäusern und Schulen. Die seit 1960 selbständig Kirche ist seit 1976 mit der VEM verbunden. Die CADELU mit Sitz der Kirchenleitung in Basankusu arbeitet sowohl in der Provinz Équateur als auch in Kinshasa und zählt etwa 240.000 Gemeindeglieder in 340 Kirchengemeinden und 32 Kirchenkreisen. Sie beschäftigt über 350 ordinierte Pastoren und unterhält drei Krankenhäuser, 26 Gesundheitszentren und 210 Primar- und Sekundarschulen und ein Technisch-Medizinisches Institut. Der Kirchenkreis Dortmund steht in einer Projektpartnerschaft mit den Kirchenkreisen Mpelenge und Ikau.

Communauté Baptiste au Centre de l’Afrique (CBCA)- Baptistische Kirche im Zentrum Afrikas
Die CBCA ist aus der Missionsarbeit baptistischer Kirchen aus den USA hervorgegangen, seit 1960 eigenständig und seit 1979 im VEM-Verbund. Geographisch befindet sich das Kirchengebiet im Ost-Kongo, im Grenzgebiet zu Uganda, Ruanda, Burundi und Tansania. Gerade diese Region des Kivu ist instabil und wird immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen der kongolesischen Armee und bewaffneten Milizen. Angesichts dieser Situation möchte die CBCA mit Wort und Tat Menschen erreichen, die diskriminiert werden und am Rande der Gesellschaft leben, wie Pygmäen, Prostituierte und Menschen mit HIV. Zur Evangelisations-Kampagne der CBCA zahlt auch die Seelsorge an Menschen, die durch Krieg und Gewalt traumatisiert sind. Langjährige Partnerschaftsbeziehungen bestehen zwischen dem Kirchenkreis Bukavu und dem Kirchenkreis Herne.

Communauté des Disciples du Christ au Congo (CDCC) – Gemeinschaft der Jünger Christi im Kongo
Die CDCC ist aus der Mission der amerikanischen „Christian Church Disciples of Christ“ entstanden, die 1899 am Äquator begann. Seit 1964 ist die CDCC selbständig, seit 1979 Mitglied der VEM. Sie zählt etwa 750.000 Gemeindeglieder in 552 Gemeinden und 23 Kirchenkreisen, die mit Ausnahme von Kinshasa alle im Équateur östlich der Provinzhauptstadt Mbandaka liegen, in der auch die Kirchenleitung ihren Sitz hat. Gemäß ihren Arbeitsschwerpunkten hat die CDCC Départments für Evangelisation, Bildung, Gesundheit und Entwicklung geschaffen und betreibt u.a. 186 Primar- und 59 Sekundarschulen, 6 Krankenhäuser, 28 Gesundheitszentren und ein Zentrum für die Ausbildung von Krankenschwestern. Ökumenische Partnerschaften bestehen zwischen den Kirchenkreisen Boende und Lofoy zum Kirchenkreis Iserlohn sowie dem Kirchenkreis Bolenge zum Kirchenkreis Dortmund.

Ansprechpartner für die Demokratische Republik Kongo:
Pfarrer Martin Domke, Telefon 02323 99497-18, martin.domke@moewe-westfalen.de

Kamerun

Afrika im Kleinen

Kamerun, das etwa 1,3 mal so groß wie Deutschland ist und ca. 20,5 Millionen Einwohner hat, liegt in Zentralafrika und grenzt an Nigeria, den Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Gabun, Äquatorialguinea und den Atlantischen Ozean durch die Buch von Bonny. Das südliche Drittel gehört zum tropischen Regenwaldgürtel, im Norden herrscht Steppenklima mit kurzer Regenzeit und dazwischen befindet sich eine Zone mit Savannenklima und längerer Regenzeit. Neben den Amtssprachen Französisch und Englisch werden entsprechend der Vielzahl der in Kamerun lebenden ethnischen Gruppen über 230 lokale Sprachen und Dialekte gesprochen. + weiterlesen

Ein sehr beliebtes Transportmittel ist die Bahn. Straßenhändler nutzen jeden Halt, um ihre Waren feilzubieten. (Foto: W. Bell)

In der Hauptstadt, Jaunde leben rund 1,3 Millionen Einwohner. 42 Prozent der kamerunischen Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt und 4 Prozent sind über 65 Jahre. Kamerun gilt als politisch stabiles Land in einer instabilen Region. Es ist die siebtgrößte Wirtschaftsnation in Afrika südlich der Sahara und ist reich an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen wie Erdöl, Bauxit, Kobalt, Nickel und Uran. Die Hälfte Kameruns ist von Wald bedeckt und so ist Holz neben Mineralöl, Kaffee und Kakao das bedeutendste Exportprodukt.

Problem Korruption

Die Industrialisierung ist bisher wenig vorangeschritten. Gründe dafür liegen in einer schwerfälligen Verwaltung, unzureichender Rechtssicherheit, mangelnder Infrastruktur und in der allgegenwärtigen Korruption. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2013 von Transparency International erreichte Kamerun nur Rang 144 von 177 ausgewerteten Ländern.

Etwa 40 Prozent der Bevölkerung lebt unter der nationalen Armutsgrenze, etwa 13 Prozent sind unterernährt, die Lebenserwartung liegt bei 55 Jahren. Die offizielle Arbeitslosenquote ist mit 3,8 Prozent zwar recht niedrig, allerdings gelten etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen als unterbeschäftigt.

Viele Selbstversorger

Sie arbeiten vor allem als Selbstversorger in der Landwirtschaft oder als Kleinstunternehmer im informellen Sektor ohne Sozialversicherung und ohne Schutz durch das Arbeitsrecht. Das Gesundheits- sowie das Bildungssystem sind nur schwach ausgebaut. Besonders die ländliche Bevölkerung, Frauen und Menschen mit geringem Einkommen sind medizinisch deutlich unterversorgt. Malaria sowie der fehlende Zugang zu frischem Wasser stellen besondere Gesundheitsgefährdungen dar. Nur drei Viertel der Bevölkerung verfügen über mindestens 20 Liter Wasser pro Kopf und Tag aus einer Quelle, die höchstens einen Kilometer vom Wohnort entfernt liegt.

An der Kleidung dieser Straßenverkäuferinnen, die ihre ordentlich aufgestapelten Früchte anbieten, zeigt sich die Vielfalt der Stoffe. (Foto: Werdermann)

Trotz der Schulpflicht sind ein Viertel der Kameruner Bevölkerung Analphabeten. Die Einschulungsquote beträgt 79 Prozent, jedoch besteht ein starkes Süd-Nord-Gefälle. Der Besuch der staatlichen Schulen ist zwar offiziell kostenfrei, aber die Eltern müssen die Kosten für Schulmaterial, Uniformen und Pausenverpflegung tragen, was die Familien häufig vor große finanzielle Herausforderungen stellt, besonders da meistens mehrere Kinder versorgt werden müssen.

Mehr als 80 Kinder pro Schulklasse

Ein weiteres Problem sind die großen Klassenstärken mit über 80 Kindern pro Schulklasse. Deutschland ist seit mehr als 50 Jahren in Kamerun entwicklungspolitisch aktiv. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen in den Bereichen Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, Dezentralisierung, gute Regierungsführung, lokale und ländliche Entwicklung sowie Unterstützung im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit.

Weitere Informationen finden auf den Internetseiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Ein Besuch der Schule in Mora ist zwar kostenlos, aber die Eltern haben häufig kein Geld für Schulmaterial, Uniformen und Verpflegung. (Foto: W. Bell)

Auch im Zusammenspiel der verschiedenen Religionen ist Kamerun von Stabilität und einem guten Miteinander geprägt. Jeweils ein Viertel der Bevölkerung sind Katholiken oder Protestanten, ein Fünftel sind Muslime und die übrigen gehören traditionellen west- und zentralafrikanischen Religionen oder zunehmend auch Erweckungsbewegungen an. Die Kameruner Baptisten unterhalten seit über 100 Jahren enge Beziehungen zum deutschen Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Der Norden Kameruns ist deutlich muslimisch geprägt.

In Kamerun leben Menschen sehr vieler verschiedener Ethnien friedlich miteinander und auch das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften ist von einem friedlichen Miteinander geprägt. In der letzten Zeit werden aber Konflikte der angrenzenden Länder massiv nach Kamerun hineingetragen. Ebenso sieht Kamerun sich der Herausforderung gegenüber, eine große Zahl von Flüchtlingen aus den Nachbarländern aufzunehmen. Lesen Sie dazu den Bericht von David Wafo, Referent der VEM in Daressalam.

Mehr Informationen zu unseren Partnerschaften finden Sie hier.

Ansprechpartnerin für Kamerun:
N.N., Telefon: 0231 5409-70, info@moewe-westfalen.de

Namibia

Urlaubsträume und Kolonialgeschichte

Seit 1990 ist Namibia ein unabhängiger Staat mit derzeit etwa 2,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und ist etwa doppelt so groß wie Deutschland. In Windhoek als Hauptstadt leben etwa 320.000 Menschen. Mit der Unabhängigkeit vom damals südafrikanischen Protektorat vor fast 25 Jahren hat Deutschland seine besondere historische Verantwortung zu Namibia festgehalten. Die gemeinsame Kolonialgeschichte von 1884 bis 1915 und der Genozid im Kolonialkrieg gegen Herero und Nama 1904 prägen die besondere Beziehung beider Staaten. + weiterlesen

Seit 1990 ist Namibia ein unabhängiger Staat mit derzeit 2,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und ist etwa doppelt so groß wie Deutschland. In Windhoek als Hauptstadt leben etwa 320.000 Menschen.  Mit der Unabhängigkeit vom damals südafrikanischen Protektorat vor fast 25 Jahren hat Deutschland seine besondere historische Verantwortung zu Namibia festgehalten. Die gemeinsame Kolonialgeschichte von 1884 bis 1915 und der Genozid im Kolonialkrieg gegen Herero und Nama 1904 prägen die besondere Beziehung beider Staaten.

Sousousvlei – Namibib Wüste

So ist nach wie vor Namibia eines der Länder, das die höchsten Zuwendungen der Entwicklungshilfe bekommt. Bis 2014 sind gut 800 Millionen Euro deutsche Gelder nach Namibia geflossen – dies ist die höchste Pro-Kopf-Zuwendung aus Deutschland in Afrika. Die ehemalige Befreiungsbewegung SWAPO stellt mit deutlicher Mehrheit der Stimmen die Regierung. Präsident Dr Hage Geingob wurde mit über 86 Prozent gewählt.

Gold, Diamanten, Uran, Kupfer…

Das Land ist reich an Bodenschätzen: Gold, Diamanten, Uran und Kupfer. Vieles ist landwirtschaftlich nutzbar und bietet für den Tourismus viele Attraktionen. Demgegenüber steht die Tatsache, dass Namibia eines der Länder der Welt mit der größten Ungleichheit ist. Konkret heißt dies laut UNDP (United Nation Development Programme), dass 10 Prozent der Bevölkerung nur 1 Prozent des gesamten Einkommens Namibias zur Verfügung haben, und die reichsten 10 Prozent gut die Hälfte des Gesamteinkommens besitzen. Dies ist eine der Herausforderungen, denen sich die Kirchen in Namibia stellt. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit, der ungehinderte Zugang zu Land und Landrechten wie auch das Entstehen neuer Kirchen sind weitere.

Kontakt gewachsen durch Missionsarbeit

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat direkten Kontakt zur Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia (ELCRN) – historisch gewachsen durch die Missionsarbeit, zunächst der London Mission Society und dann der Rheinischen Mission, heute Vereinte Evangelische Mission (VEM). Sowohl das Evangelical Lutheran AIDS-Programm (ELCAP) mit dem Schwerpunkt Church and Business against HIV & AIDS wie auch das Programme zum Basic Income Grant (BIG) werden intensiv mitbegleitet und sind in Westfalen bekannt.

Bischof Ernst //Gamxamub am Tag seiner Einführung

Die Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia wird von Bischof Ernst //Gamxamub geleitet. Vize Bischof Paul Hatani Kisting, Associate General Secretary Wilfred Diergaardt und Leonard de Vries, der für die Finanzverwaltung zuständig ist, bilden das Team im Head-office der ELCRN in Windhoek. Die Partnerschaftsarbeit wird von Frau Naomi Kisting in Windhoek verantwortet – bei der VEM sind Uli Baege und Frauke Bürgers die Ansprechpersonen. Grundlage der gemeinsamen Partnerschaftsarbeit ist das auf englisch ebenfalls bei der VEM online einzusehende Bad Driburg Agreement.

Lutheraner treffen sich hier in 2017

Zusammen mit der größten Kirche Namibias, der aus der finnischen Mission hervorgegangenen Evangelical Lutheran Church in Namibia ELCIN und der wesentlich kleineren Deutschen Evangelischen Lutherischen Kirche in Namibia (DELK) hat die ELCRN ein Uniting Lutheran Church council gebildet, wo Gespräche zur Zusammenarbeit stattfinden. 2017 im Reformationsjahr wird die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia stattfinden – in einem Land, in dem mehr als 90 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehören, und mehr als 50 Prozent einer der lutherischen Kirchen. Mehr zu dem Thema erläutert der Lutherische Weltbund in englischer Sprache in einer pdf-Datei auf seiner Internetseite.

Einsegnung von Bischof Ernst //Gamxamub durch Bischof Dr. S.V.V. Nambala und Bischof em. Dr. Z. Kameeta assistiert von Oberkirchenrat Christoph Pistorius (jetzt Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland)

Zu Namibia gehört auch immer die Geschichte, die eng mit der deutschen Vergangenheit verwoben ist. „Deutsch-Südwest“ war eine der Kolonien des deutsches Reiches. Eine kritische Reflektion der Eroberungskriege, des Genozid, wie auch die deutschen Verflechtungen in das Apartheidregime, das durch das südafrikanische Protektorat in Namibia eng mit dem südafrikanischen Regime verbunden war, stehen auf der deutsch-namibischen Tagesordnung.

Gemeinsam Vergangenheit bewältigen

Genauso gehört aber auch der Widerstand zur gemeinsamen Geschichte, die Boykottbewegung in Deutschland, und der auch gerade in den schwarzen lutherischen Kirchen sich formierende Widerstand und die weltweite aktive Befreiungsbewegung, die jetzt die Regierung stellt.

Aufarbeitung der Kolonialgeschichte

Diese vielfach verwobene und nicht mit schnellen Kategorien zu begreifende Geschichte wird jetzt von Menschen aus den Kirchen, Wissenschaft, der Mission und Zivilgesellschaft in Namibia, Südafrika und Deutschland gemeinsam aufgearbeitet. In einem langjährigen Studienprozeß, der von den Kirchen und Missionswerken angestoßen und getragen wird, erscheinen Aufsatzbände und finden interessante Tagungen und Diskussionen statt. Mehr dazu auf der VEM-Internetseite. Unterrichtsmaterial zu Namibia zwischen 1904 und 2004 findet sich unter dem Titel „Uns gehört Hereroland“.

Kirchenkreispartnerschaften

Der Kirchenkreis Tecklenburg unterhält eine Beziehung zum Kirchenkreis Otjiwarongo. Ein deutliches Zeichen der Verbundenheit ist auch Mitarbeitenden-Austausch: Derzeit arbeitet Pfarrerin Elisabeth von Francois, die auch der ELCRN stammt, für einige Zeit im Kirchenkreis Tecklenberg. Der Kirchenkreis Dortmund hat eine Kirchenkreispartnerschaft zum namibischen Kirchenkreis Usakos. Zwischen dem Kirchenkreis Unna und der Gemeinde Dordabis gibt es einen engen Kontakt.

Stellvertretend können auch Pfarrerin Christina Biere (christina.biere@moewe-westfalen.de) insbesondere für die Kontakte zum Kirchenkreis Usakos – sowie Pfarrer Jean-Gottfried Mutombo (jean-gottfried.mutombo@moewe-westfalen.de) für die Kontakte in den Kirchenkreis Otjiwarongo und nach Dordabis – angesprochen werden.

Südafrika

Die Regenbogennation am Kap – das ist Südafrika, gelegen am südlichsten Teil des afrikanischen Kontinents. „Die ganze Welt in einem Land“, heißt es vielfach in  Tourismusmagazinen oder Reisekatalogen – und das kommt nicht von ungefähr. Auf einer Fläche von 1.221.037 km² leben mehr als 56.000 Menschen, die elf verschiedene Sprachen sprechen. Verkehrssprache ist Englisch. Die Regierung des Landes sitzt in Johannesburg in der Provinz Gauteng, das Parlament jedoch ist in Kapstadt direkt zwischen dem Atlantischen Ozean im Westen und dem Indischen Ozean im Osten beheimatet und der Oberste Gerichtshof in Bloemfontein im Free State.

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Staatsoberhaupt und zur gleichen Zeit Regierungschef ist Präsident Cyril Ramaphosa – ein ehemaliger enger Verbündeter von Nelson Madela.

Das Land ist aufgeteilt in neun Provinzen, die kaum unterschiedlicher sein könnten – sowohl die landschaftlichen Merkmale, Klimazone, die wirtschaftliche Nutzung und die Bevölkerungsdichte variieren stark. Besonderer Beliebtheit erfreut sich sicherlich die Provinz am Kap inklusive der Mütter aller Städte: Kapstadt. Von den insgesamt in Südafrika beheimateten mehr als 20.000 verschiedenen Pflanzen, finden sich davon im Westkap etwa 9.000. Die Fynbos-Region ist geprägt von vor allem endemischen Arten und daher botanisch als eines, wenn auch das kleinste, der sechs Pflanzenreiche der Erde definiert – der Capensis, Heimat der Nationalpflanze Protea und des international beliebten Rooibos-Tees.

Nach der Dürre im Jahr 2018 in und um Kapstadt wurden zum widerholten Male die möglichen Folgen für den Klimawandel in der besonderen Region thematisiert. So wächst beispielsweise der Tee aus dem Rotbusch in keiner anderen Region weltweit und sein Anbau ist durch die zunehmend unregelmäßigen Niederschläge stark gefährdet.

Südafrika gehört als einziges afrikanisches Land zu den G20-Wirtschaftsmächten und wird aufgrund seiner dynamischen Wirtschaftsentwicklung zu den BRICS-Staaten gezählt. Es ist eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen und der Sitz des Parlaments der Afrikanischen Union befindet sich in Johannesburg-Midrand. Die Universität Kapstadt gilt laut THE als beste Universität Afrikas, die Technische Universität Tshwane in Pretoria ist eine der größten Universitäten des Kontinents. Dennoch lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2017 bei offiziell 27 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 50 Prozent; rund 13 Millionen Menschen sind Sozialhilfeempfänger. Die Gini-Koeffizienten als Maß für das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Und das obwohl Südafrika seit Jahren an der Spitze der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder des Kontinents und teilt sich diese Position lediglich mit Nigeria und Ägypten.

Bis weit in das 19. Jahrhundert dominierte die subsistenzwirtschaftliche Nutzung des Landes, was sich nach den ersten Diamantenfunden 1867 am Ufer des Oranje und den wenig später entdeckten Goldadern bei Kimberley rapide ändere. Nach und nach wurden weitere Rohstoffe entdeckt, die mittlerweile für den Globalen Markt von großer Bedeutung sind, wie Platin, Chrom, Eisenerz und Steinkohle. Neben dem Tourismus spielt auch heute noch der Bergbau die größte wirtschaftliche Rolle im Land. Allein vom Reichtum an Ressourcen könnte Südafrika wesentlich besser dastehen, doch häufig beuten internationale Konzerne die Rohstoffquellen aus und der gewinnbringende Verarbeitungsprozess findet nicht im eigenen Land statt. Vor allem der Bergbausektor gerät zunehmend in die Kritik, da die Arbeits- und Menschenrechte in den Abbaugebieten vor allem in der Provinz Mpumalanga wenig beachtet werden. Viele Menschen in Nordrhein-Westfalen sehen nach Stilllegung der Zechen an der Ruhr eine Verpflichtung darin, sich für die Kumpel in Südafrika einzusetzen. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, nur das darf das Leiden der Menschen im Süden verstärken, die stattdessen unseren Energiehunger stillen, heißt es. Mit der Provinz Mpumalanga verbindet Nordrhein-Westfalen noch mehr: Beide sind neben dem Bergbau stark von der Agrarindustrie geprägt und seit dem Ende der Apartheid wurde die Zusammenarbeit sogar in eine Memorandum of Understanding verfasst.

Die Politik der konsequenten Rassentrennung wurde bereits nach Gründung der Südafrikanischen Union im Jahre 1910 durch ein Bündel von Gesetzen eingeleitet, die alle die Rechte der schwarzen Bevölkerungsmehrheit immer weiter beschnitten. Der „Mines and Works Act“ von 1911 verpflichtete Schwarze zum Beispiel, ausschließlich niedere Arbeiten zu verrichten und garantierte damit die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte. Im Jahr 1948 begann die rechtskonservative Nationale Partei (Nasionale Party) der Buren Gesetze zu verabschieden, welche die Segregation verschiedener Bevölkerungsgruppen schärfer definierte und weiter durchsetzte. Mit der Verabschiedung dieser Gesetze wurde die Rassendiskriminierung in Südafrika, die Apartheid, auf systematische Art und Weise institutionalisiert und gesetzlich festgeschrieben. Ideologische Voraussetzung dieser Gesetzgebung war die klare Einteilung und daraus folgende Trennung der Bevölkerung nach Zugehörigkeit zu einer „Rasse“. Es gab kein Wahlrecht und es herrschte ein generellen Streikverbot für Nicht-Weiße. Der Widerstand organisierte sich in Form des „African National Congress“ (ANC) sowie weitere Widerstandsbewegungen gegründet.

Der am 18. Juli 1918 geborene Rechtsanwalt Nelson Mandela und seine Comrades (Genossen) organisierten massenhafte Proteste. Als 1976 in Soweto während einer Demonstration tausender Schüler brutal niedergeschossen wurde, griffen die Unruhen auf das ganze Land über. Der ANC militarisierte seinen Kampf, und Südafrika entwickelte sich mehr und mehr zum Polizeistaat. Es dauerte jedoch noch bis zum Jahre 1989, als der letzte Präsident des alten Südafrikas, Frederik Willem de Klerk, das Scheitern der Apartheitspolitik endgültig eingestand. Auch der – nach vielen Jahren Handelsembargo – desolate Zustand der Wirtschaft war Grund für den Zusammenbruch. Der Weg für die ersten allgemeinen Wahlen in Südafrika war damit frei. Diese finden 1994 statt – die Bilder der langen Schlangen der Menschen vor den Wahllokalen gingen um die Welt. Am 10. April desselben Jahres wurde Nelson Mandela erster Präsident des neuen, demokratischen Südafrikas.

Die Partnerschaft zwischen den Regierungen der südafrikanischen Provinz Mpumalanga in Südafrika und des Landes Nordrhein-Westfalen wurde im April 1995 gegründet – in Solidarität mit dem nun unabhängigen Land und zur Unterstützung der jungen Demokratie. Zu Beginn standen berufliche Bildung, die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen und der Wohnungsbau im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kamen Themen wie gute Regierungsführung, Gesundheit, Bildung, Jugend und Sport Gesundheit und HIV/Aids, Sport und Jugend als Felder der Zusammenarbeit hinzu. Dieser Schritt war eine logische Folge des Engagements vieler unterschiedlichster Akteure in NRW und in ganz Deutschland während der Zeit der Rassentrennung in Südafrika – von der Kirchengemeinde bis hin zum politischen Bündnis unterstützen Menschen und Organisationen den Widerstand gegen die unmenschliche Herrschaft des autoritärem Regimes.

Und um eine internationale Zusammenarbeit über 10.000 Kilometer lebendig zu gestalten, braucht es hier wie dort Akteur*innen, die immer wieder Anstöße zu neuen Projektideen und neuen Kooperationen geben. Bereits 2001 wurde zu diesem Zweck das Mpumalanga Forum NRW gegründet; zivilgesellschaftliche Initiativen, Wissens- und Erfahrungsaustausch auf Regierungsebene, wirtschaftliche Beziehungen, Städte- und Schulpartnerschaften sind mittlerweile Teil des Netzwerkes. In den 15 Jahren Zusammenarbeit entstanden neben den verschiedenen Projekten in der Partnerprovinz NRWs zunehmend Verbindungen über die Grenzen Mpumalangas hinaus – wie mit Free State, Limpopo, Gauteng, und Western Cape.

Das Südafrika Forum NRW unterstützt seit Ende 2016 Menschen und Organisationen in ihrem Engagement für Projekte, vor allem für Partnerschaften in der Regenbogennation im Sinne einer gerechten und nachhaltigen Entwicklung. Zunehmend erfahren die Projekte und Initiativen auch Nachfragen aus den benachbarten Ländern wie Mozambique, Zimbabwe und vor allem Namibia.

Im Januar 2016 wurde im Rahmen des Eine-Welt-Promotor*innen-Programms die Fachstelle Südafrika im Amt für MÖWe angesiedelt. Die Aktivitäten dort koordiniert Vera Dwors, vera.dwors@moewe-westfalen.de, Telefon 0231 5409-71.

Ansprechpartnerin für kirchliche Partnerschaften in Südafrika:
Pfarrerin Christina Biere, christina.biere@moewe-westfalen.de, Telefon 0231 5409-17

Tansania

Zwischen Tourismus und Religion

Tansanias Bevölkerung ist traditionell ausgewogen: Je 40 Prozent sind christlich und muslimisch geprägt, 20 Prozent gehören anderen Religionen an. Störungen des traditionell guten Miteinanders von Christen und Muslimen nehmen allerdings zu. Sie betreffen vor allem Sansibar und die Ostküste, hier vor allem Daressalam, mit zehn Millionen Menschen größte Stadt Tansanias und gleichzeitig Regierungssitz. Aber auch in der touristischen Hochburg Arusha nehmen die Spannungen zu, von wo viele Touristen zu Safaris in den Serengeti-Nationalpark aufbrechen. + weiterlesen

Der Staat an der ostafrikanischen Küste ist gut zweieinhalbmal so groß wie Deutschland und hat gut 45 Millionen Einwohner. In der nominellen Hauptstadt Dodoma im Zentrum des Landes wohnen zwei Millionen Menschen, in Daressalam, der wichtigsten Stadt des Landes und gleichzeitig faktischer Regierungssitz, leben zehn Milllionen Einwohner. Hier wächst die Bevölkerung doppelt so schnell wie im Landesdurchschnitt.

Kochbananen sind ein Grundnahrungsmittel in Tansania.

Sehr unterschiedlich ist die Stromversorgung: Vier Prozent auf dem Land, knapp 70 Prozent in Daressalam.

Sauberes Wasser nur für jeden Zweiten

Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. 70 Prozent der Bauern sind Kleinbauern, die ein bis drei Hektar mit der Hand bestellen, zur Selbstversorgung und zur lokalen Direktvermarktung. Nur die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Wasser innerhalb von weniger als einen Kilometer. Rund ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Auf dem Index der Vereinten Nationen der menschlichen Ent­wick­lung von 2011 nimmt Tansania Rang 152 unter 187 Staaten ein. Mehr Informationen gibt es auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes und der tansanischen Botschaft in Deutschland.

Malaria bleibt Todesursache Nummer eins

Die tödlichste Krankheit in Tansania ist noch immer die Malaria. Die Infektionsrate bei Kindern bis fünf Jahren liegt im Landesschnitt bei zehn Prozent. Durch den Gebrauch von Moskitonetzen und von Insektenspray in den Häusern gehen die Erkrankungen langsam zurück. Auch die HIV-Rate ist zwischen 2003 und 2011 gesunken, von sieben Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren auf 5,3 Prozent.

Deutschland engagiert sich seit vielen Jahren stark in der Entwicklungszusammenarbeit mit Tansania, laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit aktuell vor allem im Bereich Wassermanagement und Gesundheit sowie erneuerbare Energien. Um die Armut weiter zu reduzieren und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln – seit einigen Jahren konstant sieben Prozent, setzt Tansania auf Investoren aus dem In- und Ausland, die an den reichhaltigen Bodenschätzen und Agrobusiness interessiert sind, auf Tourismus sowie auf Gesundheit und Bildung.

Lasten werden oft auch über weite Strecken von Frauen getragen.

Tansania gilt als politisch stabil. Die Religionszugehörigkeit wird seit 1959 nicht mehr erfasst. Sie wird traditionell ausgewogen mit je 40 Prozent christlich und muslimisch und 20 Prozent andere Religionen angegeben.

Religiöse Spannungen auf Sansibar

Störungen des traditionell guten Miteinanders von Christen und Muslimen nehmen allerdings zu. Sie betreffen vor allem Sansibar und die Ostküste, hier vor allem Daressalam, aber auch die touristische Hochburg Arusha, von wo viele Touristen zu Safaris zum Beispiel in den Serengeti-Nationalpark aufbrechen.

Die Insel Sansibar spielt in religiöser, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht eine Sonderrolle. Sie ist muslimisch geprägt (98 Prozent), lebt überwiegend vom Tourismus und hat eine eigene Regierung, auch wenn Sansibar seit 1964 mit dem ehemaligen Tanganyika unter einer Regierung zur United Republic of Tanzania vereinigt ist.

Westfälische Partnerkirchen

Die Evangelische Kirche von Westfalen ist über die Vereinte Evangelische Mission durch eine Partnerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Tansania mit den folgenden vier Diözesen verbunden:

In Daressalam gibt es auch einige gut situierte Gemeinden wie hier in Kijitonyama.

Ost- und Küstendiözese – ECD

Zur Diözese gehört die Küstenregion mit Daressalam und Sansibar. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf Bildung und Erziehung durch eigene Schulen und das Dar es Salaam University College der von der ELCT getragenen Tumaini University sowie durch Förderung des Religionsunterrichtes in staatlichen Schulen. In Mtoni werden lern- und körperbehinderte Schüler unterrichtet und gefördert. Zugleich wird Fortbildung für Rehabilitation und Sonderpädagogik angeboten. Gesundheit, insbesondere HIV/AIDS-Arbeit, ist ein weiterer Schwerpunkt. Auf Sansibar fördert die Diözese mit einem Projekt zum interreligiösen Dialog das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen. Die Diözese Morogoro war ein Teil der ECD und ist heute selbstständig (keine VEM-Partnerdiözese).

Zu ihr gehören die Usambara-Berge und die zum Meer anschließende Region um Tanga. Die Diözese unterhält verschiedene Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen oder Kranke versorgt werden: Die Rainbow School für geistig behinderte Kinder, das Krankenhaus für psychisch Kranke in Lutindi, die Ambulanz für psychische Erkrankungen in Korogwe und das Waisenhaus in Irente sind nur einige von ihnen. Neben der praktischen Betreuung und Behandlung gehört zu den Aktivitäten der Diözese auch das Eintreten für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ein Fokus auf Bildung. Für die erste universitäre Ausbildung in Sonderpädagogik in Tansania gründete die Diözese das Sebastian Kolowa University College (SEKUCO) in Lushoto. Seit 2012 ist die Einrichtung eine anerkannte staatliche Universität und nennt sich SEKOMU (Sebastian Kolowa Memorial University). Angegliedert ist das Institute for Justice and Peace, das sich Menschenrechtsfragen widmet.

Ein sicheres Zuhause – dank des AIDS-Projekts Huyawa.

Nordwest-Diözese – NWD

Die Diözese am Westufer des Victoriasees betreibt im Ruhija Theological College ein umfangreiches Ausbildungsprogramm für Pfarrer, Evangelisten, Kirchenmusiker und Kunsthandwerker. Mit dem Josiah Kibira University College (JoKUCo) wurde 2013 ein Zentrum für Lehrerausbildung eröffnet. Es gibt verschiedene diakonische Einrichtungen, darunter ein kleines Zentrum für geistig Behinderte und ein Waisenhaus in Ntoma und das umfangreiche Projekt Huyawa, das flächendeckend AIDS-Waisen und -Witwen unterstützt. Zur Nord-West-Diözese gehören die größeren Krankenhäuser in Ndolage und Izimbya mit zahlreichen kleineren Gesundheitsstationen (Dispensaries).

 

Berufsausbildung in Nkwenda.

Karagwe-Diözese – KAD

Die fehlende Infrastruktur in der noch sehr ländlichen Gegend an der Grenze zu Ruanda und Uganda erschwert die Arbeit. In dieser Region fanden nach dem Genozid in Ruanda viele Flüchtlinge Aufnahme. Die Kirche versucht die Benachteiligungen im Bildungsangebot auszugleichen, mit einer eigenen Sekundarschule (KARASECO), Ausbildungsstätten für Diakonie (Schwestern, die später in Kindergärten der Gemeinden arbeiten werden) und Verkündigung (Evangelisten) in Nkwenda, dem Berufsbildungswerk in Nkwenda und KARUCO, einem University College vor allem für Ausbildung in Landwirtschaft und Ökologie. Neben der AIDS-Arbeit unterhält die Diözese in Zusammenarbeit mit der Regierung das Hospital in Nyakahanga (Anlaufstelle für 1 Mio. Menschen). In einem verzweigten Netz von Krankenstationen wird zudem die Bevölkerung vor Ort betreut. Nicht nur im Missionsgebiet in Ngara gibt es junge Gemeinden, die rasant wachsen und sich weiter entwickelt.

Ansprechpartner für Tansania:
Pfarrer Martin Ahlhaus, Telefon 02269 927621, martin.ahlhaus@moewe-westfalen.de

Weitere Ansprechpartner für Kirchenkreispartnerschaften

Plettenberg – Missenye/Kaskazini B (NWD), Siegen – Magharibi (ECD), Wittgenstein – Ngerengere (Morogoro), Regionalpfarrer Martin Ahlhaus, Telefon 02269 927621, martin.ahlhaus@moewe-westfalen.de

Arnsberg – Ihembe (KAD), N.N., Telefon 0231 5409-70, info@moewe-westfalen.de

Gelsenkirchen-Wattenscheid – Morogoro, Regionalpfarrer Martin Domke, Telefon 02323 99497-18, martin.domke@moewe-westfalen.de

Gladbeck-Bottrop-Dorsten – Mashariki (NWD), Recklinghausen – Magharibi (NWD), Regionalpfarrer Klaus Göke, Telefon 02041 262017, klaus.goeke@moewe-westfalen.de

Unna – Kaskazini, Kati und Kusini (Daressalam, ECD), Regionalpfarrer Dr. Jean-Gottfried Mutombo, Telefon 02303 288-134, jean-gottfried.mutombo@moewe-westfalen.de

Minden – Kaskazini (NED), Lübbecke – Bweranyange (KAD), Vlotho – Tambarare (NED), Regionalpfarrer Christian Hohmann, Telefon 05731 7448695, christian.hohmann@moewe-westfalen.de

Bielefeld – Kusini (NED), Gütersloh – Kyerwa und Murongo (KAD), Paderborn – Ilemera/Kusini B (NWD), Regionalpfarrerin Kirsten Potz, Telefon 0521 144-3881, kirsten.potz@moewe-westfalen.de